Swetlana Meermann am 14. Oktober 2012

Andernach aktuell 43/2012

 

Swetlana Meermann begeisterte

 

Am 14. Oktober eröffnete die renommierte Pianistin Swetlana Meermann die diesjährige Konzertreihe in der Villa Michels. Bereits in der dritten Generation veranstaltet die Familie Karrich mit erheblichem ideellem und materiellem Aufwand diese vor bald 50 Jahren von Dr. Alfred Michels ins Leben gerufenen Matineen zur Förderung herausragender junger Künstler und zur Freude der Freunde klassischer Kammermusik.

 

Die Pianistin entstammt einer Musikerfamilie und war bereits mit zwölf Jahren Jugendpreisträgerin. Nach dem Studium an der Musikhochschule in Karlsruhe, das sie mit dem Konzertexamen mit Auszeichnung abschloss, ist die gefragte Konzertpianistin jetzt vorwiegend in Lyon und Paris tätig, wo sie auch ihren neuen Lebensmittelpunkt hat.

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Die Loreley von Franz Liszt, eine lautmalerische differenzierte Stimmungsschilderung, romantisch und elegant, ohne falsches Pathos, begeisterte die Zuhörer, nicht zuletzt durch den geschmeidigen, samtweichen Anschlag der Interpretin.

 

Das nachfolgende Werk von Johann Sebastian Bach, die Französische Suite Nr. 2 c-Moll, entstand während der glücklichen Jahre in Köthen als Lehrstück für seine Frau Anna Magdalena. Die Bezeichnung "französisch" ist nicht von Bach und wurde später zur Unterscheidung von seinen ebenfalls populären Englischen Suiten hinzugefügt. Die wegen reicher und eingängiger Melodien in den Obertönen und der interessanten Kontrapunktik sehr beliebte Suite gilt als technisch nicht schwierig, fordert aber eine reife Pianistenpersönlichkeit für ihre Interpretation. Swetlana Meermann brachte dieses Meisterwerk zur schönsten Entfaltung.

 

Bis zur Pause konnten sich die Besucher noch an zwei virtuosen Werken des unvergleichlichen Fréderic
Chopin erfreuen: Nocturne c-Moll op. 48,1 und Ballade Nr. 3 As-Dur, op. 47. Beide Kompositionen sind zeitlos schön und den meisten Musikliebhabern im Ohr und werden von fast allen großen Pianisten immer wieder gespielt. Junge Pianisten haben heute zwar oft die nötige immense Spieltechnik, erreichen aber nicht immer die eingeforderte Interpretation. Frau Meermann ließ in beiden Punkten keine Wünsche offen.

 

Der zweite Teil der Darbietung stand ganz im Zeichen von Maurice Ravel. Sein wiederborstiger und oft dandyhafter Charakter überschattete lange seine innovative Musik. Anerkennung als genialem Erneuerer wurde ihm erst um die Wende zum 20. Jahrhundert zuteil. Dargeboten wurde die Miroirs "Spiegelbilder", fünf Miniaturen von berückender Schönheit, die, wie beispielsweise das "Morgenlied des Narren" pianistische Virtuosität auf höchstem technischen Niveau erfordert.

 

Die Zuhörer dankten mit stürmischem Beifall für eine beglückende Matinee.