Hardenberg Trio an 11. November 2012

Rhein-Zeitung Ausgabe Andernach vom 15. November 2012

 

Im Hardenberg Trio überzeugen die Künstlerinnen auch solo

 

Es war eine Glanzstunde kammermuskalischer Tonkunst in der Villa Michels: In der zweiten Matinee der diesjährigen Reihe stellten sich drei mehrfach preisgekrönte Musikerinnen vor, die vom Deutschen Musikrat mit dem Priojekt "Bundesauswhal Konzerte Junger Künstler" gefördert werden: Viola Wilmsen (Oboe), Janina Ruh (Violoncello) und die Pianistin Julia Kammerlander. In dieser eher seltenen Besetzung gründeten sie ihr Hardenberg Trio.

 

Als Trio bestritten sie nur den ersten Konzertteil. Aus Mangel an Originalliteratur für ihre Formation spielten sie eins der drei Flötentrios von Joseph Haydn, das Trio Nr. 28 Hob. XV:16, D-Dur (1790ff.). Haydn selbst nannte diese Komposition "ganz neue Clavier-Sonaten mit einer Flöte oder Violine begleitet", was die Rollenverteilung der Instrumente deutlich macht. Jetzt erklang es in der Bearbeitung für Oboe, Violoncello und Klavier, brillant geführt von Kammerlander, aber trotz ihrer untergeordneten Stimme auch zupackend gestaltet von Janina Ruh. Vor allem in dem langsameren zweiten Satz überzeugten die Interpretinnen durch ausgezeichnete Korrespondenz in der Artikulation.

 

Es folgte Beethovens letzte Klaviersonate Nr. 32 c-Moll op. 111. Sie besteht aus zwei kontrastreichen Sätzen, einem Allegro, das mit einer langsamen dramatischen Einleitung beginnt, dem sich der Sonatenhauptsatz energisch und dramatisch anfügt. Der zweite Satz überrascht mit Variationen, in denen zunächst immer kleiner werdende Zeiteinheiten gestaltet werden, um schließlich in mehr und mehr musikalischen Materialauflösungserscheinungen zu enden. Die 23-jährige Pianistin gestaltete das Werk technisch versiert, durchdacht und hoch konzentriert.

 

Sains-Saens schrieb 85-jährig 1921 drei Bläsersonaten mit Klavierbegleitung. In der dreisätzigen Oboensonate op. 166 folgen dem einleitenden Andantino mit Voglestimmen anmutender Thematik ein dreiteiliger in Liedform gestalter Allegrosatz und ein virtuos angelegtes Finale. Viola Wilmsen interpretierte das Werk äußerst virtuos und spielfreudig und zelebrierte den ganzen Klangreichtum und die differenzierte Wandlungsfähigkeit ihres Instruments.

 

Mit der Sonate Nr. 2 D-Dur op. 58 für Violoncello und Klavier (1843) von Mendelssohn Bartholdy stellte sich die junge Cellistin vor. Dem ersten Satz, leidenschaftlich und überschwänglich entworfen, folgen ein Scherzo und Adagio. In Letzterem lässt Mendelssohn das Cello rezitativ auf choralartige Arpeggio-Passagen des Klaviers antworten. Dem schließt sich der vierte Satz spielfreudig an und beendet die Sonate virtuos-temporeich. Hier überzeugten technisches Können, differenziert eingesetztes Vibrato, klangvolle Pizzicato und vor allem feinsinnige Kooperation von Cello und Klavier.

 

Das begeisterte Publikum bedankte sich mit lang anhaltendem Applaus. Die Künstlerinnen gaben mit dem zweiten Satz "Sommer" aus den "Vier Jahreszeiten" von Astor Piazolla noch eine Zugabe.