Duo Jeanquirit am 27. Januar 2013

Rhein-Zeitung Ausgabe Andernach vom 01. Februar 2013

 

Erlesene Musik in Villa Michels


Das Duo Jeanquirit mit David Kindt an der Klarinette und Helge Aurich am Klavier konzertierte kürzlich in der Villa Michels. Trotz des angesagten schlechten Wetters mit Eisregen und Blitzeis ließen es sich ca. 100 Gäste nicht nehmen, ein großes Spektrum an romantischer Musik im Rahmen des Matineevormittags zu genießen.

 

Angefangen mit dem Grand Duo concertant Es-Dur op. 48 für Klavier und Klarinette aus dem Jahr 1815 von Carl Maria von Weber, in dem das Klavier schon einen nicht mehr nur begleitenden Part übernimmt, konnte sich - vor allem in dem Heinrich Baermann, einem mit von Weber befreundeten Klarinettisten, gewidmeten Stück - die Klarinette mit einem bis dahin nicht gekannten Tonumfang klanglich Raum verschaffen und mit technischer Brillanz aufwarten. Vor allem im zweiten Satz des Andante konnte sich der elegische Gesang der Klarinette voll entfalten. Klarinettist Kindt brachte dabei sein Instrument reglerecht zum singen. Auch in dem abschließenden Rondo mit dem durch das Klavier geschaffenen klanglichen Fundament sind die wirkungsvollen Kantilenen des Klarinettisten voll zur Geltung gekommen.

 

Pianist Helge Aurich führte dann von Felix Mendelssohn Bartholdy die Variations serieuses op. 54 für Klavier solo aus dem Jahr 1841 auf. Diese stehen von der Absicht her in klarem Gegensatz zu den in dieser Zeit üblichen Variations brillante, die meist kleine einfache Themen sowie Gassenhauer-Meldoiden kunstvoll variierten. Als gewandtem Improvisator und in allen satztechnischen Disziplinen erfahrenen Komponisten lag Mendelssohn diese Art der Komposition, und er schrieb in schneller Folge mehrere Variationszyklen um das Jahr 1841. Die vorgestellten, einfühlsam dargebotenen 17 Variationen stellen eines von Mendelssohns bedeutendsten Klavierwerken dar.

 

Anschließend bekam das Publikum die sehr fein ausgearbeiteten und an Robert Schumanns Lieder erinnernden Fantasiestücke des op. 73 für Klarinette und Klavier dargeboten. Diese entstammen dem Jahr 1849 und sind auf das Musizieren im häuslichen Rahmen agestimmt. Sie wurden von Schumann im Rahmen von vier kleinen Kammermusikwerken im Jahr 1849 verfassst und vor allem auch von Schumanns Frau Clara sehr geliebt.

 

Um das Spektrum der Romantik in Richtung Moderne abzurunden, trug das Duo Jeanquirit von Max Reger die sehr eindrückliche, 1908 verfasste Sonate B-Dur op. 107 für Klarinette und Klavier vor. Zur Einführung in dieses Stück sprachen die beiden Musiker sowohl theoretische Hintergründe an und stellten ein Thema vor, das immer wieder in diesen vier Sätzen aufgegriffen und vaiiert wurde. Diese Sonate, vom Komponisten selbst als freundliches und lichtes Werk bezeichnet, zeigte den Übergang in die neue Tonalität auf. Lange und von Reger sehr ausgearbeitete Phrasen, vom Klavier angespielt und von der Klarinette aufgenommen, führen nach melodischen Ausführungen auf der Klarinete oft in ein auslaufendes Nichts. Dieses Werk stellt nach allgemeiner Ansicht eine wesentliche Bereicherung der Klarinettenliteratur dar und wurde vom Publikum begeistert aufgenommen.