Alexander Krichel, Klavier

Rhein-Zeitung, Ausgabe Andernach vom 20.11.2013

Dr. Lieselotte Sauer-Kaulbach

 

Unaufhaltsam zur Spitze mit subtilen bis gewaltigen Klängen


Vor drei Jahren war er schon einmal zu Gast in der Villa Michels in Andernach, damals noch mit ein paar Preisen weniger versehen: Alexander Krichel, Jahrgang 1989, unaufhaltsam aufstrebender junger Pianist. Jetzt gelang es Claudia Karrich-Schlax, ihn wieder für eine Matinee zu engagieren: frisch ausgezeichnet mit dem Echo-Klassik-Preis als Nachwuchskünstler des Jahres, versehen mit einem Exklusivvertrag bei Sony, im Gepäck seine jüngste CD "Frühlingsnacht" und förmlich überschüttet mit Kritikerlob für deren Vorstellung bei einer Deutschlandtorunee.

 

Er ist ein Multitalent, nicht nur musikalisch, sondern auch mathematisch hochbegabt. Kopflastig ist es aber trotzdem nicht, was Krichel in der Villa Michels hören lässt. Perfekt in Szene gesetzt, spielt er allen voran Franz Liszts Paraphrase des "Feierlichen Marschs zum heiligen Gral" aus Richard Wagners "Parsival". Was einem Bühnenweihfestspiel gemäß getragen und pathetisch, zwischen Trauermarsch und Traum anhebrt, steigert sich zum triumphalen Vorandrängen und endet in überirdischer Entrückung.

 

Sofort zeigt Krichel, der gegenwärtig in London bei Dmitri Alexeev studiert, dass er sich um Glätte und Mainstream nicht schert und bestätigt dies mit der Klaviersonate D- Dur op. 24 Nr. 3, in Paris geschrieben vom 1881 in Rumänien geborenen George Enescu, einem Protegé der wiedschen Prinzessin und späteren rumänischen Königin Elisabeth (Carmen Sylva). Ein sprödes Werk, Kreuzung aus Bartók, Ravel und Satie, jazzig aufgemischt und versetzt mit Folkloristischem aus Enescus Heimat.

 

Die Entschlossenheit, mit der Krichel mit Liszt begonnen hatte, weicht jetzt höchster Subtilität im Anschlag, leicht und federnd im Vivace, weich im Arpeggio-trächtigen Andantino. Nichts deutet auf den Tastensturm voraus, der im Finale losbricht. Dieser aber ist pure pianistische Urgewalt, höchst emotional von Krichel entfacht und passende Überleitung zu den "6 Moments mursicaux", den sechs musikalischen Charakterstücken des op. 16 Sergej W. Rachmoninovs. Angesiedelt irgendwo zwischen einem Nachtstück, einer Ballade, Mendelssohn´schem Lied ohne Worte, Chopin´scher Etüde, sind sie ein painistischer Parforceritt, bei dem sich Krichel technisch sattelfest, höchst virtuos und wandlungsfähig erweist.