Duo Palm Heiß

Jonas Palm, Violoncello

Philipp Heiß, Klavier

 

Rhein-Zeitung, Ausgabe Andernach, vom 22. Oktober 2014

Frau Dr. Lieselotte Sauer-Kaulbach

 

Frischer Energieschub zum Auftakt

 

Hätte Dimitri Schostakowitsch 1960 Benjamin Britten nicht mit seinem Landsmann, dem Cellisten Mstislaw Rostropowitsch in Kontakt gebracht, wären einige der wesentlichen Werke für Violoncello des 20. Jahrhunderts nicht geschrieben worden. Das für Rostropowitsch maßgeschneiderte ist die Sonate C-Dur op. 65, welche der Schlusspunkt der ersten Matinee der neuen Konzertsaison in der Villa Michels mit dem Cellisten Jonas Palm und dem Pianisten Philipp Heiß, beide aus der Auswahl "Konzerte junger Künstler" des Deutschen Musikrates, war.

Gerade die Britten-Sonate unterstreicht nachhaltig die Unbedingtheit, mit der die beiden jungen Interpreten, Jahrgang 1993 Palm und acht Jahre älter Heiß, ans Werk gehen. Solche risikofreudige Kompromisslosigkeit verleiht nicht nur dem ersten, wie ein Frage-Antwort-Spiel angelegten Satz der Sonate, deren Bartók-nahem Pizzicato-Scherzo, ihrem grotesken, Schostakowitsch verwandten Marsch und dem tatsächlich wie von unaufhaltsamer Energie angetriebenen Perpetuum-mobile-Finale Brisanz und Brillianz.

Auch den Repertoireklassikern, mit denen das Duo das Konzert eröffnet, verleiht diese Unbedingtheit neue Zündkraft und Frische. Franz Schuberts a-Moll-Sonate D 821 beispielsweise, die er 1824 für die kurzlebige, sechssaitige Kreuzung aus Violoncello und Gitarre, den "Arpeggione", schrieb. 1871 wurde das Werk posthum schon für die Besetzung Cello oder Bratsche und Klavier veröffentlicht. Palm und Heiß meißeln gleich dezidiert die Kontraste zwischen den beiden Themen des ersten Satzes heraus, lassen aber auch dem liedhaften Schubert im langsamen Mittelsatz Gerechtigkeit widerfahren. Besonders Palm kann hier den in allen Lagen warmen Klang des ihm von der Deutschen Stiftung Musikleben zur Verfügung gestellten Testore-Cellos voll auskosten.

Dieser Wohlklang wird auch in Beethovens sieben effektvollen Es-Dur-Variationen über Mozarts "Bei Männern, welche Liebe fühlen" nur selten einmal durch eine kleine intonatorische Härte getrübt. Selbst wenn sich die beiden  nichts schenken, wenn sie in Sachen Tempo und Dynamik auf volles Risiko spielen, funktioniert dieses Miteinander auch in Felix Mendelssohn Bartholdys Sonate Nr. 1 in B-Dur op. 45 nahezu makellos. Deren "Appassionata"-gleiches Beethoven´sches Stürmen, das allein im Andante abhebt, erhält so zutiefst romantische Wucht.

 

 

 

 

 

Preisgekrönte Klassik in der Villa Michels

Jonas Palm und Philipp Heiß gaben hochwertiges Kammerkonzert

 

Kritik von Michael Harbeke, Andernac aktuell

 

Claudia Karrich-Schlax, die Tochter der Veranstalterin Frau Gabriele Karrich, ist in der glücklichen Lage, in der Villa Michels ausschließlich Koryphäen ihres Faches für ausgewählte Kammerkonzerte im kleinen und persönlichen Rahmen auftreten zu lassen. Der Deutsche Musikrat stellt alljährlich in Stuttgart verheißungsvolle Talente der Öffentlichkeit vor und prämiert diese mit Preisen und Stipendien. Aus diesem Pool schöpft die Familie Karrich musikalische Leckerbissen, die ihr Publikum liebt.

 

Claudia Karrich-Schlax, die in die Matinee bei herrlichem Oktoberwetter einführte, schwärmte von den diesjährigen Absolventen, welche bei den Konzerten im Oktober, November, Januar und März auftreten werden: „Von fünf Preisträgern geben wir drei Nachwuchstalenten – ob Duo oder Solist – die Möglichkeit, in unserem Haus zu konzertieren. Die jungen Künstler sind allesamt arrivierte Musiker, die als Hoffnungsträger der Szene gelten. Leider konnten wir nicht alle Preisträger wählen, da manche von ihnen zu dominant für die Akustik unseres Saales gewesen wären.“

 

Jonas Palm (Violoncello) und Philipp Heiß (Klavier) spielten sich in der Villa Michels vom ersten Ton an in die Herzen der Zuschauer. Klassik, Romantik und Moderne verschmolzen bei Ihrem Auftritt zu einem formvollendeten Ganzen. Ihr Auftakt war Ludwig van Beethoven (1770-1827). Der Meister, dessen Vorbild Mozart gewesen ist, komponierte sieben Variationen des Themas „Bei Männern, welche Liebe fühlen“. Der Ohrwurm aus Mozarts Oper die Zauberflöte war eine harmonische Ouvertüre für die abwechslungsreiche Matinee. Schuberts (1797-1828) melancholisch-düstere Arpeggione-Sonate in a-Moll, schien gar nicht zu den Sonnenstrahlen zu passen, welche sich im Konzertsaal ausbreiteten, um die prächtigen Wandgobelins und Lüster im Lichterspiel anzustrahlen. Doch unter den Meisterhänden von Jonas Palm und Philipp Heiß kam Schuberts Sonate eindrucksvoll zur Geltung. Klangteppiche, die vor einfallsreichen Passagen strotzten, die das Ohr trotz ihrer Traurigkeit umschmeichelten, beendeten die erste Hälfte der Matinee.

 

In der Pause wurden die Flügeltüren zum Balkon geöffnet und alles strömte in den Garten. Vor den Augen der Musikfreunde breitete sich die Kulisse des Rheines aus. Als Claudia Karrich-Schlax mit einem Gongschlag die Gesellschaft aus ihren Gesprächen und Beobachtungen riss, begann kurz darauf das musikalische Intermezzo des Duos Palm/Heiß mit Felix Mendelssohn-Bartholdys (1809-1847) Sonate in C-Dur, welche von Lebhaftigkeit erfüllt war. Das „Allegro vivace“, das Andante und „Allegro assai“, leitete zu einer brisanten Achterbahnfahrt der Töne und Klänge über. Spätestens bei Benjamin Britten (1913-1976) war man in der Moderne angelangt. Seine Sonate in C-Dur des Opus 65 war gespickt mit musikalischer Extravaganz und Fabulierfreude – sozusagen eine Hommage auf das Wagnis des Klangexperimentes. Das Duo Palm/Heiß spielte in diesen Arrangements sein ausgewogenes Können aus. Besonders das ausufernde Zupfspiel im „Scherzando-Pizicatto“ und das imposante „Marcia.Energico“, rundeten die Matinee mit einem ausdrucksstarken Parforceritt über die Tonleitern ab. Preisgekrönte Klassik vom Feinsten eröffnete die neue Konzertsaison in der Villa Michels. Man darf gespannt sein, welche Leckerbissen in Zukunft noch von Claudia Karrich-Schlax und ihrem Organisationsteam zu erwarten sein werden.