Duo Koyama Müller

Rie Koyama, Fagott

Clemes Müller, Klavier

 

Kritik von Michael Harbeke, Andernach aktuell

 

Musikalische Donaufahrt am Ufer des Rheins

Rie Koyama und Clemens Müller spielten in der Villa Michels

 

Eine Donaufahrt am Ufer des Rheins? Dies mag im ersten Moment widersinnig klingen, doch auf den zweiten Blick ist das ganz logisch – jedenfalls für die Klassikfreunde der Villa Michels. Das am Rhein erbaute Anwesen gehört der Familie Karrich und ist Austragungsort exklusiver Kammerkonzerte.

 

Mit der musikalischen Donaufahrt – so der Programmtitel- wollten die dekorierten Nachwuchsmusiker Rie Koyama und Clemens Müller eine bewusste Aussage treffen: Denn es erklangen bei dieser Matinee Stücke, die von Komponisten geschrieben worden sind, die entweder dem Wiener Musikleben nahe standen, oder sich thematisch mit ihm auseinander setzten. Vielmehr deutete das Thema auf einen Bezug zur Kaiserlichen- und Königlichen Donaumonarchie hin.

 

Die Organisatorin der Konzertreihe auf der Villa Michels, Frau Claudia Karrich-Schlax, welche die beiden Musiker bei Wettbewerben des Deutschen Musikrates für ihr Haus entdeckt hatte, hob die Meriten der beiden Künstler begeistert hervor. Rie Koyama konnte zum Beispiel den 1. Preis beim Internationalen Oboen- und Fagottwettbewerb „The Muri Competition“ in der Schweiz und den 2. Preis des ARD-Musikwettbewerbs in der Kategorie Fagott/Solo gewinnen. Karrich-Schlax schwärmte von der jungen Virtuosin: „Koyama spielt einfach faszinierend. Sie wird eins mit der Musik, was sich insbesondere an Gestik und Mimik zeigt. Man kann sagen: Sie tanzt ihre klassischen Stücke.“ Clemens Müller kann ebenso mit Erfolgen glänzen. Zahlreiche Stipendien und Preise schmücken die Vita des 1983 geborenen Künstlers, der von Claudia Karrich-Schlax dem Publikum als außergewöhnlicher Musiker vorgestellt worden ist.

 

Beide Künstler suchten den Kontakt mit dem Publikum und gaben sich erfrischend offen. Koyama erklärte den Aufbau ihres Instrumentes und Müller warb begeisterungsfähig für die neue CD des Duos, welche bei einer Signierstunde ihre Abnehmer fand. Den Auftakt der kammermusikalischen Leckerbissen machte wie so oft Ludwig van Beethovens (1770-1827) „Sonate in F-Dur“, welche im Original für Horn und Klavier geschrieben worden war. Beethoven war ein virtuoser Hornspieler, der sich ein teueres Musikinstrument bei einem Instrumentenbauer anfertigen ließ. Vielleicht hat er gerade mit diesem Instrument sein hornistisches Vermächtnis dieser Sonate eingeprägt? Nichtsdestotrotz gewann das umarrangierte Stück auf dem Fagott an Präsenz und füllte den im großbürgerlichen Interieur gehaltenen Saal der Villa Michels fabelhaft aus. Danach erklang deutsche Romantik pur, die aber wiederum thematisch in die K.u.K-Donau-Monarchie eingebettet war. Carl Maria von Weber (1786-1826) komponierte das „Andante e Rondo Ungarese op. 35“, welches eine österreichisch-ungarische Hommage in Tönen versprach. Pianist Clemens Müller freute sich, eine kürzlich entdeckte Perle der Musikgeschichte in der Villa Michels mit Rie Koyama uraufführen zu können. Johann Wenzel Kalliwodas (1801-1886) „Morceau de Salon“ schlummerte bis vor kurzem in den Archiven. Lange Zeit verharrten die Notenblätter in ihrem Dornröschenschlaf. Dank des Duos Müller/Koyama wurde Kalliwodas Werk auf Piano und Fagott wieder belebt – so dass es eine wahre Freude war. Kein Kammerkonzert ohne Mozart (1756-1791): Der Salzburger schuf mit seiner „Sonate in G-Dur“ ein farbenprächtiges Werk, welches besonders im variantenreichen Satz „Tema“ an Tiefe gewann. Franz Dopplers (1821-1883) „Fantaise pastorale hongroise“ komplettierte das zweite Konzert der attraktiven Klassikreihe in der Villa Michels.  Eine außergewöhnliche Donauschifffahrt am Ufer des Rheins, die mal wogend, mal melancholisch, mal in Dur, mal in Moll, daher kam, ging leider viel zu schnell mit der Zugabe eines feurigen „Csardas“ zu Ende.