Notos Quartett

Sindri Lederer, Violine

Kyoungmin Park, Viola

Florian Streich, Violoncello

Antonia Köster, Klavier

 

Das Notos Quartett: ein wohlgestimmtes Ganzes

 

Geschickte Selbstinszenierung war auch früher schon Teil des musikalischen „Showbiz“. Was lag da bei komponierenden Virtuosen oder virtuosen Komponisten näher, als sich selbst die passenden effektvollen Noten auf die Tasten respektive Saiten zu schreiben?


Gleich drei Beispiele hat jetzt das dritte Kammerkonzert der Villa Michels in Andernach geliefert mit dem jungen, 2007 gegründeten Notos Quartett. Auf die eigenen bemerkenswerten pianistischen Fähigkeiten hin dürfte auch Ludwig van Beethoven sein mehrfach (auch selbst) bearbeitetes Klavierquartett Es-Dur op. 16 komponiert haben. Es wurde 1797 als Quintett für Bläser und Klavier uraufgeführt. Optimal für Antonia Köster, die Pianistin des mit Preisen und Stipendien (Villa Musica) dekorierten Quartetts, das in Manchester selbst bereits Kammermusik lehrt. Auf eigenwillige Exkurse, wie sie sich Beethoven erlaubte, kann Antonia Koster verzichten. Sie überzeugt – und das nicht nur im Mozart direkt zitierenden Andante- durch ihr prägnant –leichtes, mozarteske Melodik beförderndes Spiel.


Auch wenn das Klavier im Rondofinale die Starrolle übernimmt, bleibt Antonia Köster mit Sindri Lederer (Violine), Kyoumngmin Park (Viola) und Florian Streich (Violoncello) stets Teil eines wohlabgestimmten Ganzen. Florian Streich hat durch sein Stipendium ein Testore-Cello überlassen bekommen, dessen Klang er vor allem im romantisch-nachtdunklen Adagio von Josef Suks Klavierquartett a-Moll op. 1 auskosten kann. Josef Suk komponierte sein Quartett im Alter von 17 Jahren bei seinem Lehrer und späteren Schwiegervater Antonin Dvorák. Jugendliches Ungestüm unterstreicht das Notos Quartett denn auch nachdrücklich. Es manifestiert sich unter anderem in der ungewöhnlich opulenten Durchführung des ersten Satzes, in drastischen Steigerungen und dynamischen Kontrasten, in den heftigen Umbrüchen de Scherzo-Schlusssatzes.


Nicht weniger überzeugend sind die vier gerade auch in der Feinarbeit, in der behutsamen Ausgestaltung des Leisen, Lyrischen, wie im Lento von Dvoráks eigenem, das Konzert beschließenden Klavierquartett op. 87. Schwermut lauert hier latent überall, geschürt durch die Gesänge der vom Komponisten selbst gespielten Bratsche, die im furios gipfelnden Finalsatz ihren großen Auftritt hat.