Lieder ohne Worte: Romantik und Impressionismus pur

Andernach aktuell, Ausgabe 50/2015

 

Die zweite Matinee in der Villa Michels in Andernach im Jubiläumsjahr – 50 Jahre Kammerkonzerte – hat das Duo Schmahl – Heiß bestritten.

Der einfühlsame Pianist Philipp Heiß, der seit 2014 seinen Masterstudiengang Liedgestaltung bei Donald Sulzen an der Musikhochschule in München absolviert und gleichzeitig Lehrbeauftragter am Leopold-Mozart –Zentrum in Augsburg ist, war zum zweiten Mal in der Villa Michels zu Gast. Heute war er in Begleitung des 25 jährigen Oboisten Juri Schmahl, der neben seinen vielen Auszeichnungen durch Stipendien seit diesem Jahr Solooboist des Niedersächsischen Staatsortchesters in Hannover ist, zu Gast. Erst im Oktober des Jahres hat Schmahl  einen bemerkenswerten 2. Preis beim Internationalen Oboen-Wettbewerb in Japan/ Karuizawa erreicht.

Das Programm, bezeichnet als Lieder ohne Worte, eine musikalische Anlehnung an Mendelssohn-Bartholdy, der diesen Begriff in der Musik einführte, begann auch mit selbigen, den Liedern ohne Worte op. 67, der letzten der 8 Sammlungen mit je 6 Stücken, die Mendelssohn noch selbst zusammengestellt und veröffentlicht hat. Der Mendelssohn, der von dem Musikkritiker Schumann bezeichnet wurde als „Er ist der Mozart des 19. Jahrhunderts, der hellste Musiker, der die Widersprüche der Zeit am klarsten durchschaut und zuerst versöhnt.“ Die Musiker stellten uns die teilweise in die Nähe von virtuosen Konzertetüden gerückten Stücke sehr einfühlsam und wohl akzentuiert vor. Die Freundschaft zwischen Mendelssohn und Schumann führte auch dazu, dass Mendelssohn im März 1841 die Uraufführung von Schumanns 1. Sinfonie op. 38 (Frühlingssinfonie) im Gewandhaus in Leipzig leitete. Wir hörten von Schumann die 3 Romanzen op. 94, die Schumann innerhalb von 5 Tagen als Weihnachtsgeschenk 1849 für seine Frau Clara komponierte und die an Innigkeit und positiver Stimmung fast nicht zu übertreffen waren. Das Publikum folgte den Künstlern gern id diese innige harmonische Klangwelt. Diese 3 kleinen Romanzen hatte Schumann in der Originalfassung so für Klavier und Oboe instrumentiert geschrieben und sie auch gegen seinen Verleger Simrock verteidigt, der diese gerne auch in Klarinetteninstrumentierung haben wollte. Anschließend ging es musikalisch nach Frankreich / Paris, wo die drei Stücke von Gabriel Fauré entstanden sind. Es sind Salonstücke, die aus größeren Teilen stammen, die aber dann spielerisch allein auf Erfolgstour gingen. Sowohl Apres un rêve (nach einem Traum) und auch Clair des lune (Mondlicht) und die Siciliénne  entführten stimmungsmäßig voll in den Impressionismus. Die Transskriptionen für Klavier und Oboe haben diese durch Klavier und Oboe als populäre, durch und durch französische Melodien, die einen stimmungsvollen Kontrapunkt zu dem tristen Novemberwetter setzten, veranschaulicht. Danach waren 2 Stücke von Maurice Ravel, dem Kompositionsschüler von Fauré zu hören, die mit der typsisch Ravel mäßigen Tonmalerei daher kamen.  Den Abschluss musste dann natürlich ein virtuoser, mit hohen technischen Anforderungen gespickter Anotnio Pasculli sein. Der Komponist, selber ein ausgezeichneter Oboist und 50 Jahre Professor an der Hochschule in seiner Heimatstadt Palermo für dieses Instrument, hat hier sämtliche Schwierigkeiten wie schnelle Tonleitern, gebrochene Akkorde und höchste technische Spiel-Anforderungen eingebaut. Von Juri Schmahl, dem jungen Oboisten, wurden all diese Aufgaben mit spielerischer unangstrengter Leichtigkeit  in vollster Harmonie im Zusammenspiel  dem Pianisten Philipp Heiß hin erfüllt. Das Publikum fand allerdings ausgesprochen viele lobende Worte für dieses junge und ausgezeichnete Duo.