Trio präsentiert in Villa Michels ein maßgeschneidertes Programm

von Dr. Lieselotte Sauer-Kaulbach

 

Junge Musikerinnen nehmen Schumann´sche Fantasiestücke in den Fokus

 

Auftakt zur neuen Konzertsaison in der Villa Michels in Andernach – darauf haben viele Kammermusikfreunde der Region schon gewartet: auf vier Konzerte, kuratiert von Claudia Karrich-Schlax, die damit die von ihrem Großvater Dr. Alfred Michels begründete Tradition, in den Räumen der zwischen 1893 und 1897 erbauten neobarocken Villa Kultur ein Heim zu bieten, fortsetzt.

 

 

Zum Auftakt gastierte das Faust-Trio mit einem Programm, das für den Rheinsaal der Villa wie maßgeschneidert war. Denn im Mittelpunkt des Konzertes der drei jungen Musikerinnen, die allesamt in die 60. Bundesauswahl Konzerte Junger Künstler des Deutschen Musikrates aufgenommen wurden, standen zwei Werke, die Robert Schumann nicht für den Konzertsaal, sondern fürs Musizieren im Salon komponierte: Poetische Soireestücke, die nicht umsonst in den unruhigen, den Rückzug ins Private befördernden Zeiten im revolutionären Dresden 1848/49 entstanden, geprägt von einem demokratischen „Volkston“.

 

 

Der findet sich auch in den „Fantasiestücken“, dem op. 73, das die Klarinettistin Magdalena Faust, die bei Francois Benda in Berlin studiert, und die 1991 die in Braunschweig geborene Pianistin Marie Rosa Günter in der Originalfassung interpretieren, will heißen: mit Klarinette. Die kann sich hier kraftvoll und sehnsuchtsvoll entfalten; Faust neigt manchmal etwas zum Überblasen und hängt Günter im letzten, temporeich beschleunigten Stück dann und wann etwas ab.

 

 

Ganz harmonisch gelingt das Miteinander der drei Musikerinnen – das Trio komplettiert die österreichische Geigerin Johanna Pichlmair – auch nicht in Schumanns „Märchenerzählungen“, op. 132, seinem vorletzten vollendeten Werk. Aber gelegentliches Auseinanderdriften, Uneinigkeiten bei Einsätzen und Ritardandi sind angesichts des noch jungen Miteinanders der drei Musikerinnen zu entschuldigen, trüben nicht wirklich den Genuss diese vier mal chevaleresk-forschen, mal gefühlvollen Stücke, zu denen jeder sein eigenes Märchen hinzuträumen darf. Im dritten Stück blitzt einen Moment lang gar beseeltes Miteinander auf. Den „Märchenerzählungen“  im Konzert voraus ging - passenderweise, finden sich noch Reflexe des Werks bei Schumann - Mozarts Trio Es-Dur für Klarinette, Viola und Klavier KV 498, das „Keglestatt-Trio“, auch das geschrieben fürs Musizieren in geselligem Rahmen. Pichlmair und ihre Kolleginnen lassen sich durch den Andante-Beginn etwas zur Behäbigkeit verlocken, die erst im alle drei Instrumente schon vorführenden Allegretto-Finale weicht.

 

 

Den Schumann´schen Stücken im Tonmalerischen verwandt ist die Sonate Nr. 2 gis-Moll des op. 19 von Alexander Skrjabin, im nächtlichen-ruhigen Andante, im stürmischen Presto maritimes Stimmungsbild und Bild der eigenen Psyche. Marie Rosa Günter überzeugt in den subtilen rhythmischen Strukturen der Sonate, in ihren immer wieder Melodielinien wie Lichtreflexe umspielenden Arpeggien. Ein Schmankerl  beendet das Konzert, die Carmen-Fantasie von Pablo der Sarasate – in der Seguildilla eine Herausforderung vor allem für die Geige, die hier in Trillern und Glissandi virtuos baden darf.

 

Trio Faust eröffente Matineen-Saiaon 16/17

von Michael Harbeke

 

Villa Michels war für Klassikfreunde ein Hort der Inspiration

 

Die Tochter der Inhaberin der Villa Michels in Andernach, Claudia Karrich-Schlax, hat ihr Haus wider einmal mit Leben erfüllt. Die klassische Musik versetzte die altehrwürdigen Räume in der Kölner Straße in Schwingung.

 

 

Wenn der Herbst sein graues Gesicht zeigt, gibt es nichts Schöneres als unter einem glänzenden Kronleuchter sich in die Welt der Klassik zu begeben, um den tristen Alltag ein Stück weit zu vergessen. Das gastierende Trio Faust spielet ein Potpourri von klassischer und romantischer Literatur: Von Wolfgang Amadeus Mozart über Robert Schumann und Pablo de Sarasate erstreckt sich das vielschichtige Programm, welches unter dem Motto „Fantasie“ stand. Die jungen und sympathischen Künstlerinnen Johanna Pichlmair (Violine), Magdalena Faust (Klarinette) und Marie Rosa Günter (Klavier) überzeugten mit ihrer ungehemmten Spielfreude. Eins mit ihren Instrumenten, gestalteten die vom Deutschen Musikrat geförderten Talente eine stimmungsvolle Matinee.

 

Claudia Karrich-Schlax freute sich, die neue Saison gerade mit diesen vielversprechenden Musikerinnen beginnen zu dürfen: "Heute darf ich Ihnen Märchenhaftes und Fantastisches ankündigen Die Eröffnungsmatinee der Villa Michels steht unter dem Stern der Romantik. Das Trio Faust wird sie mit großen Komponisten verwöhnen!“ Den Auftakt machte Wolfgang Amadeus Mozarts berühmtes Kegelstatt-Trio, welches das Trio Faust in den Sätzen, Andante, Menuetto und Rondo Allegretto inszenierte.  Robert Schumanns bildhafte „Märchenerzählungen“ für Klarinette, Viola und Klavier nahmen insbesondere im dritten Satz gefangen. Unter der Überschrift "Ruhiges Tempo, mit zarten Ausdruck“ gefiel es den Klassikfreunden im Saal.  Nach der Pause ging es nahtlos mit Schuman weiter. Seine Fantasiestücke für Klarinette und Klavier“ wurden vom Trio Faust mit sicherer Hand gespielt.

 

 

Ein absoluter Ohrenschmaus war George Bizets berühmte Carmen-Fantasie, welche von dem Künstler Pablo de Sarasate arrangiert worden ist, der schon mit 12 Jahren als Wunderkind galt und blutjung perfekt musizierte. Das bekannteste Stück von Carmen und Escamilla, hervorzuheben, ist natürlich die Seguidilla, kamen auch instrumentell beim Zuhörer gut an. Marie Rosa Günter spielte am Klavier eine Sonate von Alexander Skrjabin und bekam für die Fantasie in gis-Moll ihren großen Applaus, der in der ausverkauften Villa Michels für die an Klassik Begeisterten nicht zu überbieten war.

 

 

Magdalena Faust bedankte sich im Namen ihrer Begleiterinnen für ein tolles Konzert. Die Villa Michels in der Kölner Straße war wieder einmal ein Hort der Inspiration.