Klavierduo Karolin und Friederike Stegmann bezauberte in der Villa Michels am 20. November 2016

Andernach aktuell, 48/2016 vom 29.11.2016, Seite 11

 

Das Klavierduo der Zwillingsschwestern Karolin und Friederike Stegmann gestaltete die zweite Matinee der Kammerkonzerte in der Villa Michels in Andernach am 20.11.2016. Das Duo wird gefördert durch den Deutschen Musikrat mit dem Projekt „Bundesauswahl Konzerte Junger Künstler“.

 

Nach dem Schulmusikstudium mit Hauptfach Klavier bei Tilman Krämer an der Hochschule für Musik Freiburg im Breisgau studierten die Zwillingsschwestern ab dem Wintersemester 2013/14 Master Klavierduo in der Klasse von Hans-Peter und Volker Stenzl an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock und bestanden ihre Abschlussprüfung im Sommer 2015 .Die beiden errangen zahlreiche 1. Preise wie zuletzt im Jahr 2014 beim Tournoi International de Musique in Paris und beim Concorso Pianistico Internazionale in Rom. Seit August 2015 sind Karolin und Friederike Stegmann Stipendiaten der Helga Drews Stiftung GmbH Stuttgart.

 

Das Zwillingsduo startete schwungvoll und wienerisch mit den melodischen Walzern op. 39 Nr. 1-6 von Johannes Brahms. “KATTERMÄNGS” nannte Johannes Brahms mit hanseatischem Einschlag ein zu seiner Zeit unverzichtbares Musikgenre: die Klaviermusik “à quatre mains”. Er widmete im April 1866 seinem Freund Eduard Hanslick, dem Wiener Kritiker-Papst der Epoche.

 

Als Vortragsstück zu einem Wettbewerb eingeübt, trugen die Zwillingsschwestern von Carl Maria von Weber aus op. 60 3 Ausschnitte vor. Hier sind vor allem die sehr melodischen und atmosphärische Stimmungen in Nachbarschaft zu den Weberschen Opern herauszuhören, komponierte von Weber in diesem Zeitfenster auch seinen „Freischütz“.

 

Von Wolfgang Amadeus Mozart ertönt das tieftraurige, 1790/91 für das Wachsfiguren- und Kuriositätenkabinett des Grafen Deym in Wien geschriebene Stück als “Orgelwerk in einer Uhr”. Die Pianistinnen haben hier wegen der stark übergreifenden Klaviertransskriptionen eigene Fingersätze erarbeiten müssen.

 

Vom pianistischen Wunderkind Franz Liszt trugen die Stegmann-Zwillinge die Ungarische Rhapsodie Nr. 2 für Klavier zu vier Händen vor. Es sind ungarisch-zigeunerische Stücke mit virtuosen, von Melancholie und Leidenschaft geprägte Geschenke für den fortgeschrittenen pianistischen Einzelkämpfer, die dem Publikum hier vierhändig präsentiert wurden.

 

Weiter ging es mit der von Claude Debussy komponierten Petite Suite L 65 aus 1888/89. Ein Salonstück, das von dem Wechsel zwischen verträumten melodiösen Themen und witzigen schwungvollen Ideen lebt. Wie alle Werke der französischen Komponisten des 19. Jahrhunderts sollten die Stücke vor allem Vergnügen bereiten, was dem Duo Stegmann ausgezeichnet gelang.

 

Von Franz Schubert, der als „der Komponist“ für 4-händige Klavierstücke gilt, die sicher mehr als 3 volle Konzertprogramme füllen würden, wurden die Variationen über ein Originalthema in As-Dur D 813 vorgetragen. Die Variationen gelten als "Gipfelwerke" des kurzen Schaffens von Schubert und imponierten vor allem wegen der immensen pianistischen Herausforderungen in den Triolen- und der mit Begleitung in Sechzehnteln punktierten Rhythmen.

 

Klavierduo Karolin und Friederike Stegmann bezauberte in der Villa Michels am 20. November 2016
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