Aris Quartett gastiert in der Villa Michels in Andernach am 06.03.2016: Vitalität, Dynamik und Spielfreude in fein abgestimmter Differenzierung

Andernach aktuell 11/2016

 

Die vierte und die Saison abschließende Matinee wurde von dem jungen und aufstrebenden Aris Quartett bestritten. Die 4 Künstler, geboren zwischen 1989 und 1993 haben alle an der Musikhochschule in Frankfurt studiert und sind in Frankfurt ansässig. Das Quartett gründeten die 4 Musiker in 2009. Sie konzentrieren sich vollkommen auf das  Quartett spielen, was an ihrem sehr vertrauten und klaren Umgang beim Spiel immer wieder hervor strahlt.

 

Aktuell vertieft das Aris Quartett seine Kammermusikstudien beim Artemis Quartett in Berlin sowie bei Günter Pichler (Alban Berg Quartett) an der Escuela Superior de Música Reina Sofía in Madrid.

 

 

Dem schlechten Wetter mit guter Musik entgegenzuwirken, schienen sich viele verabredet zu haben, sodass die Zuschauerräume der Villa Michels kapazitätsbedingt an ihre Grenzen stießen und einige Gäste nur mehr eine dank guter Akustik eindrücklichen Hörgenuss, aber leider wenig Sicht auf die  darbietenden Künstler hatten.

 

 

Die Matinee begann mit dem Reiter-Quartett g-moll, op. 74/3 aus 1793 von Joseph Haydn, der dieses Quartett aus einer Folge von 6 Streichquartetten gegen 450 Gulden exklusiv für eine Verwertungs-Schutzfrist dem Graf Apponyi widmete. Hier fielen vor allem die lebhaft dargebotenen beiden rhythmischen Ecksätze des Quartetts auf, die diesem auch seinen Beinamen als Reiterquartett wegen galoppierender Pferde gaben. Wie man weiß, konnte Haydn sich viele Dinge sehr genau bildlich vorstellen und dann musikalisch instrumentieren, wobei die Künstler die Zuhörer hier exzellent mitgenommen haben.

 

 

Felix Mendelssohn Bartholdy schrieb sein letztes der 6 Streichquartette f-Moll op. 80 1847 unter dem Einfluss des plötzlichen Ablebens seiner geliebten Schwester, der Komponistin Fanny Hensel. Während er wohl erst gar nicht zu Ruhe und zum Komponieren in seinem Zufluchtsort in der Schweiz kam, zeigen die dann erklingenden Sätze doch ganz eindeutig seinen Schmerz, die Verzweiflung das Wehklagen sowie die Ohnmacht gegenüber dem Tod seiner Schwester. Dieses sehr expressive und wuchtige Werk, da an sich so gar nicht der sonst vorherrschenden Innerlichkeit in Mendelssohns Kompositionen entspricht, wird von dem Aris Quartett mit den eindrücklichen dunklen und zornigen Tremoli im ersten Satz sehr ausdrucksstark dargebracht. Die ausdrucksvollen Motive werden von einem scharfen punktierten Rhythmus geprägt, der im energischen Scherzo durch Synkopen und ein stures Ostinato weiter vorangetrieben wird. Die Einfühlsamkeit der Künstler in diesen Passagen und ihr starkes aufeinander Eingehen lässt einem das tief beeindruckende Bild des todtraurigen Mendelssohn plastisch vor Augen erscheinen.  Das Adagio zeigt sich in seiner Innerlichkeit wieder wie die Lieder ohne Worte mit lyrischem Gesang versöhnlich. Der finale Satz variiert ein Thema, das Fanny und Felix liebten: das Feen- und Elfenstück. Dies kommt hier aber im Gegensatz zu anderen Stücken nicht schwebend-virtuos, sondern schwer lastend, von Synkopen immer wieder zerrissen daher. Damit kehrt es am Ende in hämmernden Triolen zur Anmutung des ersten Satzes zurück. Diesen Bogen des Streichquartetts wissen Wildermuth, Zipperling, Vinzens und Sieber grandios zu spannen.

 

 

Den Abschluss bildete das von Ludwig van Beethoven 1806 als Quartettreihe von 3 Streichquartetten für den Diplomaten Andrej Rasumowsky mit teils  russischer Atmosphäre geschriebene  Quartett in C-Dur op. 59,3. Beethoven hatte in der ersten Wiener Dekade 1792-1794 auch bei Haydn Unterricht genommen, was ihn neben dem Kennen der Mozart´schen Streichquartette seinen ganz eigenen Stil bei den Streichquartetten ausprägen ließ. Vor allem dieses in der 2. Wiener Dekade geschriebene Quartett, dass in zeitlichem Zusammenhang mit der Entstehung der Sinfonien 3-6 von Beethoven steht, wurde von den Zuhörern zunächst sehr kritisch aufgenommen, stellt es doch einen Wendepunkt im Schaffen des Komponisten dar hin zu quasi-sinfonischen Ausdehnung von Form und Klang sowie weiterer Komplexität. Beethoven verarbeitet hier in der für ihn in dieser Phase charakteristischen Art exzessiv kleinste Motivbausteine im Vordergrund. Viele dieser Motive können als Anspielungen auf Mozart´sche Streichquartette und dessen Inspiration gesehen werden.

 

 

Die intensive Tongebung, die dieses Quartett aufweist, gepaart mit sehr homogener Übereinstimmung in Rhythmus und Ausdruck durch feinste Abstimmungen sind für dieses Quartett kennzeichnend. Die Spielfreude der vier Musiker strahlt pure Vitalität und dabei herausragendes musikalisches und technisches Können aus, dass diese mit fast unglaublicher Leichtigkeit zu strahlender Klangfülle führt.

 

Mit Schuberts Quartettsatz c-Moll D 703 als Zugabe verabschiedet sich das Aris Quartett von den begeisterten Zuhörern.