Tomoko Ichimura – eine Meisterin am Klavier

Rhein-Zeitung vom Samstag, 03.02.2018

 

Japanische Musikerin begeistert mit Werken von vier Komponisten in der Villa Michels

 

Schubert und Beethoven, Ravel und Takemitsu – sie gaben sich nun in der Villa Michels ein Stelldichein. Als ein Magnet erwies sich die jüngste Matinee in den alten Gemäuern: Die Säle der Villa waren restlos gefüllt. Das Publikum war neugierig auf die japanische Pianistin Tomoko Ichimura. Und es wurde nicht enttäuscht.


Der japanische Komponist Toru Takemitsu wurde mit zwei zehn Jahre auseinander liegenden Kompositionen
zum fantastischen Regenbaum präsentiert. Fein akzentuierend hat Pianistin Ichimura die beiden Werke vorgetragen.

Bei der Komposition von Maurice Ravel, Jeux d'eau, konnten die Zuhörer und -schauer die technischen Spezialitäten, wie das Spielen zweier Tasten mit einem Daumen, das Ineinandergreifen der Hände, Akkordtriller und Glissandi bei der Pianistin eindrucksvoll beobachten. Wobei diese eine schwebende Harmonik mit klangmalerischen Effekten erzielte, teilen die Veranstalter in einer Pressemitteilung mit.
Zu Beginn aber genossen die Gäste das opulente Spätwerk von Franz Schubert, Impromptus op. 142 D 935, das dieser ein Jahr vor seinem viel zu frühen Tod komponiert hatte. Gerade zu der Zeit war der der Scholle sehr verbundene Wiener Schubert endlich auch wirtschaftlich erfolgreicher, da er seine Kompositionen gewinnbringend verkaufen konnte. Schubert- Musik erinnert viele immer an eine Reise, Schubert hat sich selbst als einen Wanderer gesehen. Die musikalische Einheit der vier Stücke wird wie in einem Bogen gespannt, obwohl diese extrem unterschiedlichen Charakters sind. Das erste Impromptu klingt so fein und zerbrechlich wie das Glück und so wechselvoll wie das Leben.

Auch bei der sehr anspruchsvollen letzten Klaviersonate von Beethoven, Nr. 32 c-moll op. 111, die dieser 1821 schuf, entführte Ichimura das Publikum in die Welt des begnadeten Komponisten. Das Adagio, dieser riesige, 20 Minuten lange zweite Variationensatz, macht das eigentliche Geheimnis dieser Sonate aus. Deshalb wird dieser Satz von vielen Pianisten als einer der erhabensten Momente im gesamten Repertoire Beethovens angesehen. Der Klaviervirtuose Hans von Bülow hat diesem großen Werk philosophische und sogar religiöse Dimension beigemessen, indem er Bachs Wohltemperiertes Klavier mit dem Alten Testament verglich und Beethovens Sonate Nr. 32 c-moll mit dem Neuen Testament; die vielen Triolen in den Variationen sollen auch die Dreieinigkeit Gottes darstellen.

Auch wenn diesem Werk eigentlich nichts mehr im Ausdruck hinzuzufügen wäre, wie Ichimura nach anhaltendem Applaus zu ihrer Darbietung ausführte, hat sie die Gäste der Villa Michels mit Chopins Nocturne Op. 27 Nr. 2 Des-Dur wieder etwas beruhigt.

Tomoko Ichimura – eine Meisterin am Klavier
Rhein-Zeitung, Ausgabe Andernach vom Samstag, 03.02.2018, Seite 21
03_02_2018_C_21_ff9c1673e9.pdf
Adobe Acrobat Dokument 221.3 KB