Nymphe ist der Star im Programm junger Musiker

duo suono beeindruckt beim Saisonauftakt in der Villa Michels

Rhein-Zeitung vom 31.10.2018; von unserer Mitarbeiterin Dr. Lieselotte Sauer-Kaulbach

 

Sie taucht auf in Gedichten, Märchen, Opern, Kammer- und Rockmusik und selbst in Computerspielen: Undine, jungfräulicher Wassergeist und halbgöttliche Elementarerscheinung, eine verführerische, aber auch bedrohliche Nymphe. Um eine Seele zu bekommen, muss sie sich mit einem menschlichen Wesen vermählen.
Das ist nicht ganz leicht, denn ein möglicher Bräutigam bezahlt jede Untreue mit dem Tod. Eine spannende Figur also, die die Flötistin Myriam Ghani und der Pianist Viktor Soos in den Mittelpunkt ihres Konzerts in der Villa Michels in Andernach stellten. Als Preisträger des Deutschen Musikwettbewerbs n der Reihe der
„Bundesauswahl Konzerte junger Künstler“  treten beide Musiker als duo suono auf.

 

Herzstück ist Carl Reineckes „Undine“-Sonate für Pianoforte und Flöte op. 167, eine der wenigen romantischen
Flötensonaten überhaupt. Vier Sätze voller Liebessehnsucht und -leid, verlässt doch  der stolze Ritter Huldbrand, auf den Undine alle Hoffnung setzt, die Nymphe zugunsten einer menschlichen Frau und raubt ihr damit Glück und Seele. Undine, das ist die Flöte, die nicht nur das die Nymphe verkörpernde Motiv übernehmen, sondern gefühlvoll ihrer Liebe und ihrem Schmerz Ausdruck verleihen darf. Myriam Ghani, die ihr Masterstudium in Essen absolviert, könnte sich kaum bessere Gelegenheit wünschen, weich in ausgedehnten
Kantilenen und wendig in arabesken Läufen zu agieren. Das ureigene Element der Nymphe, das Wasser, klingt natürlich immer wieder an, in Wellenbewegungen des Klaviers, im flirrenden Staccato der beiden Instrumente im zweiten Satz, in dem sich Undine erstmals dem Ritter zeigt. Im dritten Satz weicht anfängliche
Zartheit aufflackerndem Streit, bevor es im Finale zur Trennung kommt und Undine sehnsüchtigschmerzerfüllt
Abschied von ihrem Ritter und den Menschen nimmt. Ghani und Soos finden bei Reinecke zu einer Intensität des Miteinanders, die man zuvor vermisste – auch bei Sigfrid Karg-Elerts, einem Schüler Reineckes, „Sinfonischer Kanzone“ op. 114. Da deckt das Klavier dann und wann die Flöte zu, ist deren Klang in temporeicheren Momenten intonatorisch getrübt.

 

Nach der Pause wandert Viktor Soos, Student bei Konrad Elser in Lübeck, wieder auf den Spuren Undines, mit dem ersten Satz aus Maurice Ravels geisterträchtigem „Gaspard de la nuit“. Mehr noch als bei Reinecke wird hier impressionistisch mit allen Nuancen musikalischer Wassermalerei gespielt, sodass Soos virtuos in mächtiger stürmenden akkordischen Fluten baden kann.


Den Schlusspunkt setzen Franz Schuberts „Trockne Blumen“ in e- Moll, op. posth. 160, D 802, 1824, wenige Monate nach dem gleichnamigen Lied der „Schönen Müllerin“ geschrieben. Das ist anspruchsvoll für beide Instrumente, von der düster, mit einem Motiv aus „Der Tod und das Mädchen“ anhebenden Introduktion, in der
Flöte und Klavier sich langsam dem Thema nähern, bis zu dessen letzter Variation, der siebten und
umfangreichsten, die Liebesleid in hellerem E-Dur versöhnt.

duo suono; Rezension Rhein-Zeitung vom 31.10.2018; Ausgabe Andernach
duo_suono.JPG
JPG Bild 258.0 KB