Aris-Quartett zelebriert Hadyn bis Schumann

Rhein-Zeitung vom 20.03.2018, Seite 21, Ausgabe Andernach

 

Konzert in der Villa bMichels begeistert

Das Aris-Quartett, bestehend aus Anna Katharina Wildermuth, Noemi Zipperling (Violine),Caspar Vinzens (Viola) und Lukas Sieber (Violoncello) bestritt das abschließende Konzert dieser Saison in der Villa Michels in Andernach mit beeindruckender Spielfreude. 2009 gegründet, zählt es heute zu den markantesten
Streichquartetten der jüngeren Generation mit weltweiten Engagements in den großen Konzerthäusern
und bei den bedeutendsten Musikfestivals.


Das Streichquartett f-Moll, op.55,2 von Haydn, der als geistiger Vater des Streichquartetts gilt, da er die vielfältigen und unsystematischen Quartettformen zu verbindlicher Besetzung und einheitlichem
Gattungsstil zusammengefasst hat, bildete den Einstieg in die Matinee. Mit frischem Schwung wurde das quirlige Quartett von1788 präsentiert. Dieses Quartett gilt als komplex mit zahlreichen,teils humoristischen, teils dramatischen Überraschungen. Als Werk mit Geist und Feuer beschrieben, ist op. 55,2 eher düster leidenschaftlich mit jähen Stimmungs- und Satzwechseln.


Von Schumann erklang das Streichquartett a-Moll op. 41,1 (1842). Er komponierte bis 1839 nur Klavierwerke, danach Lieder und erweiterte sein Kompositionsgebiet dann in kammermusikalische Bereiche. Drei Streichquartette entwarf Schumann nach gründlichem Studium der Streichquartette von Haydn, Mozart, Beethoven und Mendelssohn (diesem auch gewidmet). Gekennzeichnet durch gesanglichen und intimen
Ton, die Stimmführung häufig als Kanon oder parallel, wird eine klangliche Dichte hervorgerufen. Beim akzentuierten Vortrag hat die leidenschaftliche Gestaltung das Liedhafte umso ausdrucksstärker erscheinen lassen.


Das letzte Streichquartett Nr. 14 cis-Moll op. 131 von Beethoven, 1826 ein Jahr vor seinem Tode geschrieben, bildete den Konzertabschluss. Das siebensätzige Quartett zeigt für die einzelnen Sätze ein ganz unterschiedliches Gewicht. Der erste Satz ist eine Adagio- Fuge. Der vierte Satz mit sechs Variationen
bildet das gedankliche Zentrum des Stücks. Die Variationen ließ das Aris-Quartett in sehr feinfühliger gegenseitiger Abstimmung zum wahren Musikgenuss werden. Der fünfteilige fünfte Satz, dessen lebhafter Celloeinsatz charakteristisch ist und den Lukas Sieber auch entsprechend ausdrucksvoll gestaltete, hat Scherzocharakter und ist im Stil eines Kinderliedes gehalten. Über den siebten Satz schrieb Richard Wagner: „Das ist der Tanz der Welt selbst: wilde Lust, schmerzliche Klage, Liebesentzücken, höchste Wonne, Jammer, Rasen, Wollust und Leid; da zuckt es wie Blitze ... Und über allem der ungeheure Spielmann, der alles zwingt und bannt, stolz und sicher vom Wirbel zum Strudel, zum Abgrund geleitet – er lächelt über sich selbst, da ihm dieses Zaubern doch nur ein Spiel war.“ Diese Präsentation hat die Gäste der Villa zu lauten Bravorufen animiert.

 

Und in der Zugabe mit Finale des Streichquartettes F-Dur, op. 96 („Amerikanisches Quartett“) von Dvorák erklangen mit ausgeprägt herausgearbeiteter rhythmischer Gestaltung unverbrauchte, nach erfrischenden Volkstönen klingende amerikanische Melodien.