Quintett überzeugt mit Spielfreude - Mendelssohn Bartholdy und Schubert neu interpretiert

Rhein-Zeitung vom 0,4.09.2018, Ausgabe Andernach, Seite 22

 

Mit Bravorufen und frenetischem Applaus feierten die Besucher das überaus spielfreudige Carducci Streichquartett, das gemeinsam mit Benedict Kloeckner am Cello ein Sonderkonzert in der Villa Michels in Andernach gab. Auf dem Programm standen Interpretationen von Mendelssohn Bartholdys Streichquartett Nr. 6 f- Moll op. 80 sowie Franz Schuberts Streichquintett C-Dur, D 956, op. post. 163.


Das Carducci-Streichquartett präsentierte das letzte vollendete Werk des Komponisten Felix Mendelssohn
Bartholdy auf den Punkt sehr einfühlsam und abwechslungsreich und zeigte damit die Phasen der Trauer Mendelssohns deutlich nach. Dieser schuf das Werk im Jahr seines Todes 1847. In dieser Komposition, die autobiografische Züge trägt, verarbeitet er den unerwarteten Tod seiner Schwester und wichtigsten Bezugsperson Fanny Hensel. Das Quartett gilt als eine Hommage oder auch Requiem für die Schwester
und Ausdruck seiner verzweifelten Trauer. Während Mendelssohns Kompositionen zuvor eher von Introvertiertheit geprägt waren, ist dieses Werk von expressivem und wuchtigem Charakter, was vor allem in den ersten beiden Sätzen vom Carducci-Quartett entsprechend zum Ausdruck gebracht wurde. Das Adagio des dritten Satzes versucht es mit Liedern ohne Worte, sehr melodiös und innerlich berührend vorgetragen, bevor auch hier wieder die Trauer Oberhand gewinnt. Der vierte Satz, in dem auch die Vorliebe von Felix und
Fanny für Feen- und Elfenmusik zum Ausdruck kommt, schließt das Stück einprägsam ab.


Nach der Pause folgte das C-Dur- Streichquintett von Franz Schubert. Der renommierte Musikkritiker Joachim Kaiser nannte dieses Werk einst ein „tönendes Mysterium“. Es besticht nicht nur durch seine betörenden Melodien, es steckt auch voller Dramatik und voller Stimmungsgegensätze, die die fünf überaus konzentriert und bestens aufeinander abgestimmten Künstler brillant herausarbeiten. Schubert komponierte sein einziges
Streichquintett in der Besetzung mit zwei Celli im September 1828, wenige Monate vor seinem Tod. Es war sein kammermusikalischer Schwanengesang. Das erste Cello emanzipiert sich hier als Hauptträger des melodischen Geschehens in hoher tenoraler Lage, exzellent vorgetragen und einfühlsam dargestellt von Emma Denton. Gebündelt werden in diesem Werk in einer selbst für Schubert beeindruckenden Weise alle
Qualitäten reifer Instrumentalmusik wie sinfonische Form, die typisch Schubert'sche entrückte Klangschönheit und ein zum Zerreißen gespannter Ausdruck durch romantische Gegensätze zischen „schönen Welten“ und „Verzweiflung“, die zu Extremen in Klang und Dynamik führen. Das Zeitgefühl erschien den Zuhörern aufgehoben, es wurde durch endlos gedehnte melodische Bögen außer Kraft gesetzt. Melodien, die kein
Ende finden können, ein Quintettklang von beispielloser Originalität durch Übereinanderschichtung von
Legatomelodien, Staccatofiguren, rhythmischen Impulsen und Sforzati, vom zarten Pizzicato über Doppelgriffe und Tremoli bis zu scharf akzentuierten Synkopen, vom dreifachen Piano bis zum Fortissimo- Sforzato. Beide Werke haben bei den Zuhörern nachhaltigen Eindruck in diesen überaus gelungenen Interpretationen hinterlassen.

Benedict Kloeckner (links) und die Mitgleider des Cardicci-Quartetts - Matthew Denton (Violine), Michelle Flemming (Violine), Eoin Schmidt.Martin (Viola), und Emma Denton (Cello)

Rhein-Zeitung, Ausgabe Andernach vom 04.09.2018, Seite 22
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