Albrecht Menzel begeistert mit Virtuosität

Geiger interpretiert in Villa Michels unter anderem Werke vonBach, Paganini und Ernst –Musikalisch anspruchsvolles Programm

Rhein-Zeitung vom 12. Dezember 2018

 

In der zweiten Matinee der Kammerkonzerte in der Villa Michels in Andernach in der Saison 2018/19 brillierte der internationalauf Erfolgskurs agierende Geiger Albrecht Menzel. Als Eckpfeiler seines Soloprogramms  wählte Menzel Werke von Johann Sebastian Bach.


Den Einstieg bildete die Sonata I g-Moll BWV 1001, die Bach zusammen mit den anderen fünf Sonaten und sechs Partiten 1720 veröffentlicht. Sie werden als hohe Schule des polyfonen Geigenspiels „senza Basso accompagnato” bezeichnet. Dabei zeigte Menzel
gleich hier in dem reich verzierten Adagio mit auf- und absteigenden Läufen, Trillern und Doppelschlägen sein Können.


Im Anschluss stellte Menzel die Sonate für Violine solo Nr. 3 des belgischen Violinvirtuosen Eugen Ysaÿe vor. Ysaÿe setzte in seiner Musik die Kenntnisse über die Möglichkeiten der Geige in atemberaubende Musik um. Seine sechs Sonaten für Solovioline gehören zum Eindrucksvollsten, was auf diesem Instrument machbar ist. Die Zuhörer bewunderten Albrecht Menzels virtuose und traumwandlerisch sichere Grifftechnik der linken Hand sowie auch die vehemente Bogenführung der rechten Hand, die den Geigenbogen richtig tanzen ließ.


Im Anschluss ging es mit den Capricen aus dem Opus 1, Nr. 2, 5, 17 und 22, von Niccolò Paganini, dem italienischer Stargeiger, Gitarristen Komponisten, furios weiter. Die von Paganini komponierten 24 Capricci op. 1 für Violine solo sollten den „Artisti“ zu Studienzwecken dienen. In Nr. 17, die Menzel als seinen Favoriten vorstellte, wechseln schöne melodische Akkordklänge mit strukturiert abgesetzten, atemberaubenden Läufen ab, die immer wieder mit neuen brillanten Elementen angereichert werden.


Die Zugabe mit der „Grand Caprice für Violine allein“ op. 26, „Der Erlkönig“ (nach Goethes berühmter Ballade von 1782 und Franz Schuberts Vertonung), von dem zu seiner Zeit gefeierten Geigenvirtuosen Heinrich Wilhelm Ernst setzt Menzel wohlweislich vor die Pause. Das Stück ist extrem schwierig zu spielen, weil jeder der vier vorhandenen Geigensaiten eine vollwertige Stimme zugeordnet ist.

 

Die zweite Hälfte des Recitals nahm ganz die Partita II für Violine solo in d-Moll BWV 1004 ein. Manche Musikwissenschaftler vertreten die These, dass der vierte Sat "Ciaconne“ so etwas wie ein musikalischer Grabstein für Bachs verstorbene Frau sein müsse, da darin Choräle versteckt sind, die um das Thema Tod und Auferstehung kreisen. In allen Sätzen gibt es Affekte der Trauer und nicht der Klage, die Harmonik hellt sich immer wieder nach Dur auf. Ein mit großartig dargebotener Musik erfülltes und dankbares Publikum verabschiedete den Geigenvirtuosen Albrecht Menzel mit lang anhaltendem Beifall .

 

Albrecht Menzel Foto: privat

Albrecht Menzel begeistert mit Virtuosität
Rhein-Zeitung vom 12.12.2018
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