Eine Sonate in A-Dur als Hochzeitsgeschenk

Dorothea Stepp und Asen Tanchev in der Villa Michels von Dr. Lieselotte Sauer-Kaulbach,

Rhein-Zeritung vom 28.01.2020, Ausgabe Andernach, Seite 21

 

 

Als er sie seinem Freund, dem belgischen Geiger Eugène Ysaÿe, als Hochzeitsgeschenk überreichte, war der so begeistert, dass er gleich zur Geige griff und das Geschenk mit der unter den Gästen weilenden Pianistin Léontine-Marie Bordes-Pène spielte: César Francks legendäre, von Geigern wie Cellisten nicht umsonst heiß geliebte Sonate in A-Dur.

 

Bei der Matinee in der Villa Michels nahmen sich die 1996 in Stuttgart geborene Geigerin Dorothea Stepp, die bei Antje Weithaas in Berlin studiert, und der aus Sofia stammende Pianist Asen Tanchev,

der gegenwärtig Klavier bei Gerald Fauth in Leipzig und Kammermusik bei Markus Becker in Hannover studiert, der Sonate an. Sie tun es mit einer Verve, wie sie wohl auch Ysaÿe an seinem Hochzeitstag aufgebracht haben mag. Und tatsächlich hat schon das alle Sätze durchziehende Motto-Motiv, das im ersten Satz seine Neigung zur Sanftmut, im zweiten sein leidenschaftliches Potenzial verrät, etwas Schwebendes, Schwingendes, etwas, das, den Spielanweisungen gemäß, zwischen „cantabile“, gesanglich, „espressivo“, ausdrucksvoll und „dolcissimo“, mit dem süßesten

Ausdruck, pendelt.

 

Stepp und Tanchev, beide Preisträger beim Deutschen Musikwettbewerb, entfalten ebenso nachdrücklich wie hingebungsvoll die ganze Palette der hochromantischen Empfindungen, werden aber auch, überlegt strukturierend, der überlegten formalen Strenge Francks gerecht. Man merkt besonders Dorothea Stepp an, dass sie sich hier wohlfühlt mit ihrer barocken Tononi-Geige, so, wie man es bei Mozarts Sonate für Violine und Klavier e-Moll, KV 304, noch vermisst hatte. Dabei bereitet ihr Tanchev immer wieder empfindsam in den beiden Sätzen des Werks, des einzigen der sechs „duetti“, die Mozart auf seiner Reise nach Mannheim und Paris schrieb, in einer Moll-Tonart, den Boden für zarte Kantabilität, auf die sich Stepp nie so recht einlassen mag.

 

Vielleicht wirkt sich auch der Gedanke an die bevorstehende Fantasia Franz Schuberts D 934, op.

Posth. 159 in C-Dur, ein wenig hemmend aus, für die Geige wie für das Klavier ein schwerer Brocken. Der Gedanke an ein Werk, das, wie die Franck'sche Sonate, von einem Thema geprägt wird und zwischen dem zarten, einleitenden Klaviertremolo und dem fulminanten Kehraus daraus ein Universum von Klängen erschafft, gipfelnd in den Variationen über ein eigenes Lied, „Sei mir gegrüßt“, schon spieltechnisch für beide Instrumente höchst anspruchsvoll, mit Doppelgriffen, endlosen Trillerketten, arpeggierten Figuren, 32tel-Jagden gespickt. Stepp und Tanchev meistern

meist sicher die Klippen.

 

Zum Abschluss gönnt sich Dorothea Stepp noch ein nur sparsam vom Klavier akzentuiertes Bravourstück für die Violine, Maurice Ravels späte Konzert-Rhapsodie „Tzigane“, zu der ihn die Zigeunerweisen der ungarischen Geigerin Jelly d'Arányi, einer Großnichte Joseph Joachims, inspirierten. Da verzichtet die Stepp auf die Noten, und das muss auch so sein. Nur so lassen sich die Spontaneität, dieses Gefühl von spielerischer Virtuosität, vermitteln, für die die junge

Geigerin berechtigt viel Applaus einheimst.

 

 

Eine Sonate in A-Dur als Hochzeitsgeschenk
Rezension Rhein-Zeitung vom 28.01.2020
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